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Ab wann spricht man von einem Rattenbefall?

Alex Goldfarb, Geschäftsführer, IHK-geprüfter Kammerjäger
Autor
Alex Goldfarb
Geschäftsführer, IHK-geprüfter Kammerjäger bei Experta Schädlingsbekämpfung GmbH
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Von einem Rattenbefall spricht man, wenn sich Ratten an oder in einem Gebäude angesiedelt haben: Sie finden dort Nahrung, nutzen einen festen Unterschlupf und vermehren sich. Eine feste Stückzahl, ab der ein Befall beginnt, gibt es nicht. Entscheidend sind wiederkehrende, frische Spuren. Dazu zählen Kotballen von 1 bis 3 Zentimetern Länge, Nagespuren, feste Laufwege entlang von Wänden sowie Löcher oder Gangsysteme, wie sie das Umweltbundesamt für die Wanderratte beschreibt.

Eine einzelne Ratte, die Sie einmal im Garten oder an der Mülltonne sehen, ist noch kein Befall. Die Stadt Essen stellt ausdrücklich klar, dass die Sichtung einzelner Tiere nicht automatisch auf einen gesundheitlich relevanten Befall hindeutet. Kritisch wird es, wenn mehrere Hinweise zusammenkommen oder dieselben Spuren nach einigen Tagen erneut auftauchen.

Ab wann spricht man von Rattenbefall

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Den Unterschied zwischen Durchzügler und Ansiedlung verrät vor allem der Fundort. Frischer Kot im Keller, in der Garage oder im Vorratsraum spricht für einen Nistplatz in unmittelbarer Nähe. Eine einmalige Spur im offenen Garten deutet eher auf ein Tier auf Nahrungssuche hin.

Aus einem kleinen Befall wird schnell ein großer. Ein Weibchen kann laut UBA bis zu sechsmal im Jahr durchschnittlich acht Junge bekommen, die nach rund zwei Monaten selbst geschlechtsreif sind.

Häufig übersehen werden dunkle Schmierspuren an Wänden und Rohren, angenagte Kabel oder Dämmung sowie ein stechender, urinartiger Geruch. Sehen Sie Ratten sogar tagsüber, werten Behörden das als Hinweis auf eine größere Population.

Ein Gesundheitsrisiko entsteht, sobald Kot oder Urin mit Lebensmitteln, Wasser oder genutzten Räumen in Berührung kommen. Über Rattenurin können unter anderem Leptospiren übertragen werden, so das Robert Koch-Institut.

Durchzügler, beginnender oder etablierter Befall: Wie ordnen Sie Ihre Beobachtung ein?

Ob ein Rattenbefall vorliegt, lässt sich anhand von drei Kriterien einordnen: Wo treten die Spuren auf, wie frisch sind sie und wiederholen sie sich? Die folgende Übersicht fasst die Befallsnachweise zusammen, die das UBA und kommunale Ordnungsbehörden nennen, und ordnet sie in drei Stufen ein.

Beobachtung Einordnung Empfohlener Schritt
Einmalige Sichtung im Garten, keine weiteren Spuren Durchzügler auf Nahrungssuche Futterquellen entfernen, eine Woche beobachten
Kot oder Nagespuren an einer Stelle, kehren nach dem Entfernen zurück Beginnender Befall Spuren dokumentieren, Eintrittswege prüfen
Kot an mehreren Stellen, Laufwege, belaufene Löcher, Sichtungen am Tag Etablierter Befall mit Nistplatz Fachliche Bekämpfung, ggf. Meldung an die Kommune

Ausschlaggebend ist die Wiederholung. Ratten nutzen laut UBA immer wieder dieselben Laufwege, die sogenannten Wechsel. Wer an derselben Stelle erneut frische Spuren findet, hat es mit einem ortsfesten Rudel zu tun. Ab welcher Stufe Eigenmaßnahmen nicht mehr ausreichen, erklärt unser Ratgeber Wann ruft man denn Kammerjäger.

Wie prüfen Sie selbst, ob die Spuren frisch sind?

Frische Rattenspuren erkennen Sie am zuverlässigsten mit einem einfachen Kontrolltest über zwei bis drei Tage. Entfernen Sie vorhandenen Kot an der Fundstelle und prüfen Sie, ob neuer hinzukommt. Frische Kotballen sind dunkel, weich und glänzend, ältere dagegen hart und matt.

Ergänzend hilft ein Spurenteppich: Eine dünne Schicht Mehl oder Talkum entlang der Wand macht Pfotenabdrücke und Schwanzschleifspuren über Nacht sichtbar. Eine Infrarot-Wildkamera zeigt, ob und wann Tiere aktiv sind.

Beim Entfernen von Ausscheidungen ist Vorsicht geboten. Das RKI-Merkblatt zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen empfiehlt für Nagerausscheidungen Handschuhe und feuchtes Aufnehmen statt Fegen oder Staubsaugen, damit kein belasteter Staub aufgewirbelt wird.

Ist ein Rattenbefall meldepflichtig?

Eine Meldepflicht für Rattenbefall hängt in NRW von Ihrer Kommune ab. Ratten gelten als Gesundheitsschädlinge im Sinne von § 17 Infektionsschutzgesetz. Die Vorschrift ermächtigt die Behörden, Bekämpfungsmaßnahmen anzuordnen. Eine bundesweite Meldepflicht für Privatpersonen begründet sie jedoch nicht.

Viele Städte und Kreise in NRW regeln die Details in ordnungsbehördlichen Verordnungen nach § 27 OBG NRW. Darin können Meldepflichten für Befall auf Privatgrundstücken festgelegt werden, wie die KommunalAgentur NRW erläutert. Solche Verordnungen verpflichten Eigentümer, Mieter und Pächter häufig zusätzlich, einen festgestellten Befall zu bekämpfen und bauliche Mängel zu beseitigen.

Als Mieter informieren Sie zuerst Ihren Vermieter. Ob in Ihrer Stadt eine Anzeigepflicht beim Ordnungs- oder Gesundheitsamt besteht, erfahren Sie dort oder im Ortsrecht auf der Website Ihrer Kommune.

Wanderratte, Hausratte oder Maus: Wer hinterlässt die Spuren?

Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist in deutschen Siedlungsbereichen die mit Abstand häufigste Rattenart. Sie lebt bevorzugt bodennah in Kellern, Kanalisation, Ställen und unter Gebäuden und gräbt Gangsysteme im Erdreich. Laut UBA passt sie durch Öffnungen von nur 2 Zentimetern Durchmesser.

Die Hausratte (Rattus rattus) ist deutlich seltener. Sie klettert gewandter und zeigt sich eher in oberen Gebäudebereichen wie Dachböden.

Häufig wird ein Rattenbefall mit Mäusen verwechselt. Der Kot der Hausmaus (Mus musculus) ist wesentlich kleiner als die 1 bis 3 Zentimeter langen Kotballen der Wanderratte. Hausmäuse legen zudem in der Regel keine Erdbaue mit Laufgräben an. Die Abgrenzung ist wichtig, weil sich Vorbeugung, Bekämpfung und behördliche Pflichten bei Mäusen und Ratten unterscheiden.

Welche Gesundheitsrisiken bestehen tatsächlich?

Das Gesundheitsrisiko bei Rattenbefall entsteht vor allem durch Kot und Urin, die Lebensmittel, Futtermittel und Oberflächen verunreinigen. Das UBA verweist darauf, dass Wanderratten über 100 verschiedene Krankheiten auf den Menschen übertragen können. Das beschreibt das Spektrum möglicher Erreger, nicht die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.

Die wichtigste rattenassoziierte Zoonose in Deutschland ist die Leptospirose. Laut RKI erfolgt die Übertragung meist über direkten oder indirekten Kontakt mit dem Urin infizierter Tiere, etwa über verunreinigtes Wasser oder Schlamm. Mit rund 0,1 gemeldeten Fällen pro 100.000 Einwohner im Jahr ist sie hierzulande selten (Bundesgesundheitsblatt, 2019).

Ein verbreiteter Irrtum betrifft das Hantavirus: In Deutschland wird es laut RKI überwiegend von der Rötelmaus übertragen, nicht von Ratten. Auch wenn das Risiko insgesamt gering ist, bleibt ein Befall in Wohn- und Lebensmittelbereichen ein Hygieneproblem, das behoben werden sollte.

Warum Eigenversuche einen Befall oft verlängern

Eigenmaßnahmen gegen Ratten scheitern häufig, weil die Tiere scheu sind und Neues meiden. Das UBA hält fest, dass sich Wanderratten nur schwer mit mechanischen Fallen fangen lassen. Geräte mit Ultraschall oder elektromagnetischen Feldern haben sich laut UBA als wirkungslos erwiesen.

Für Rattengift gelten strenge Vorgaben. Rodentizide dürfen in Deutschland seit 2014 grundsätzlich nur bei festgestelltem Befall eingesetzt werden, und die breite Öffentlichkeit darf sie nur in geschlossenen Köderstationen auslegen (UBA-Ratgeber Mäuse- und Rattengift). Da die gerinnungshemmende Wirkung erst nach Tagen eintritt, fehlt ohne systematische Kontrolle der Überblick, ob der Befall tatsächlich zurückgeht.

Offen ausgelegte Köder und Fallen gefährden außerdem Haustiere und geschützte Nichtzieltiere wie Igel. Nach DIN EN 16636 zertifizierte Fachbetriebe arbeiten deshalb mit gesicherten Köderstationen und dokumentierten Kontrollgängen. Wie das im Einzelnen abläuft, beschreibt der Beitrag Was macht ein Kammerjäger gegen Ratten.

Wann ein Fachbetrieb bei Ratten sinnvoll ist

Prüfen Sie Ihre Situation anhand dieser Kriterien:

  • Sie finden frischen Kot oder Nagespuren in Innenräumen wie Keller, Garage, Vorratsraum oder Wohnung.
  • Nach dem Entfernen sind innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder frische Spuren an derselben Stelle.
  • Sie sehen Ratten bei Tageslicht oder mehrere Tiere gleichzeitig.
  • Es gibt belaufene Erdlöcher am Fundament, unter Terrassen oder Gartenhäusern.
  • Lebensmittel, Tierfutter oder Bereiche, in denen Kinder spielen, sind betroffen, oder Sie führen einen Betrieb mit Lebensmitteln.
  • Ihre Kommune verlangt eine Bekämpfung oder deren Nachweis.

Treffen zwei oder mehr Punkte zu, lohnt sich eine Befallsaufnahme durch einen Fachbetrieb mit IHK-geprüften Schädlingsbekämpfern, bevor Sie selbst Maßnahmen ergreifen. Die Fachkräfte der Experta Schädlingsbekämpfung GmbH ermitteln dabei Ausmaß, Nistplätze und Eintrittswege, damit die Bekämpfung dort ansetzt, wo der Befall entsteht. Wohnen Sie im Rheinland, ist unser Kammerjäger Service Bonn der passende erste Ansprechpartner.

Für Gewerbebetriebe, Hausverwaltungen und Gastronomie werden die Maßnahmen zusätzlich dokumentiert. So haben Sie gegenüber Ordnungsamt, Gesundheitsamt oder Lebensmittelkontrolle einen nachvollziehbaren Nachweis in der Hand. Betreiben Sie etwa ein Restaurant im Ruhrgebiet, übernimmt ein regionaler Gelsenkirchen Kammerjäger diese Dokumentation gleich mit.

Auch außerhalb von NRW gilt: Je früher der Befall fachgerecht erfasst wird, desto kleiner bleibt er. In der Region Hannover hilft Ihnen ein erfahrener Kammerjäger Wunstorf mit einer Begehung vor Ort weiter.

Stellen Sie im südöstlichen Niedersachsen Spuren im Keller oder auf dem Grundstück fest, prüft unser Team als Kammerjäger in Salzgitter die Lage, bevor eine Maßnahme festgelegt wird.

Häufige Fragen zum Rattenbefall

F: Kommen Ratten nachts oder am Tag heraus? A: Wanderratten sind laut Umweltbundesamt scheu und überwiegend im Dunkeln aktiv, vor allem in der Dämmerung und nachts. Tagsüber bleiben sie in ihren Verstecken. Werden Ratten regelmäßig bei Tageslicht gesehen, gilt das als Hinweis auf eine größere Population, in der die Tiere auch tagsüber auf Nahrungssuche gehen.

F: Wie riecht ein Rattenbefall? A: Ein Rattenbefall riecht stechend und ammoniakartig, ähnlich wie alter Urin. Der Geruch entsteht durch Urinmarkierungen entlang der Laufwege und verstärkt sich in geschlossenen Räumen wie Kellern oder Abstellkammern. Ein muffiger, beißender Geruch ohne erkennbare Ursache ist deshalb ein Anlass, gezielt nach Kot und Nagespuren zu suchen.

F: Wo verstecken sich Ratten tagsüber im Garten? A: Im Garten ziehen sich Wanderratten in selbst gegrabene Baue zurück, bevorzugt unter Terrassen, Gartenhäusern, Holzstapeln, Kompostern oder dichtem Bewuchs. Das UBA nennt Gerümpel, Abfälle und Kompost mit Speiseresten als Faktoren, die ungestörte Nistplätze bieten. Typisch sind Erdlöcher mit festgetretenen Laufpfaden, die sichtbar zu Nahrungsquellen führen.

F: Was tun bei ersten Anzeichen von Ratten? A: Entziehen Sie den Tieren zuerst Nahrung: keine Speisereste auf den Kompost, Mülltonnen geschlossen halten, Tierfutter nicht offen stehen lassen. Dokumentieren Sie Spuren mit Fotos und Datum und prüfen Sie Kellerfenster und Leitungsdurchführungen auf Öffnungen. Bei größerem Befall empfiehlt das UBA, das Gesundheitsamt oder einen Schädlingsbekämpfer hinzuzuziehen.

Auf einen Blick: Ab wann ist es ein Rattenbefall?

  • Ein Rattenbefall liegt vor, wenn Ratten an einem Gebäude dauerhaft Nahrung und Unterschlupf nutzen und sich dort fortpflanzen, nicht erst ab einer bestimmten Anzahl Tiere.
  • Eine einzelne Sichtung im Außenbereich ohne weitere Spuren gilt behördlich noch nicht als gesundheitsrelevanter Befall.
  • Wanderratten hinterlassen 1 bis 3 Zentimeter lange Kotballen; kehren sie nach dem Entfernen innerhalb weniger Tage zurück, ist der Befall aktiv.
  • Fundorte in Keller, Garage oder Vorratsraum deuten auf einen nahen Nistplatz hin und wiegen schwerer als Spuren im offenen Garten.
  • Weil ein Weibchen bis zu sechs Würfe pro Jahr mit durchschnittlich acht Jungen bekommen kann, wächst ein unbehandelter Befall schnell.
  • Ob Sie einen Befall melden müssen, regelt in NRW die jeweilige kommunale Rattenverordnung; Mieter wenden sich zuerst an den Vermieter.
  • Rattengift dürfen Privatpersonen nur bei festgestelltem Befall und ausschließlich in geschlossenen Köderstationen verwenden.
  • Eine Befallsaufnahme durch Fachbetriebe mit IHK-geprüften Schädlingsbekämpfern ist sinnvoll, sobald Spuren in Innenräumen auftreten oder Tiere bei Tageslicht zu sehen sind.
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